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Frühe Weinlese im Südwesten: Gewitter bedrohen reife Trauben

25. August 2026·18:04 Uhr
2 Min. Lesezeit
AgrarwetterGewitter
Frühe Weinlese im Südwesten: Gewitter bedrohen reife Trauben

In den Weinbergen zwischen Bodensee und Rheinhessen wird geerntet, so früh wie selten zuvor – in Baden fielen die ersten Trauben schon Mitte August. Ausgerechnet jetzt kippt die Wetterlage: Ab Mittwoch ziehen kräftige Gewitter auf, am Freitag drohen Starkregen, Hagel und Sturmböen. Für einen Jahrgang mit ohnehin kleinen Beeren kommt das zur Unzeit.

Ernte im Hochsommer statt im Frühherbst

Nach Angaben des Deutschen Weininstituts begann die Lese für den Jahrgang 2026 in der zweiten Augustwoche und damit rund eine Woche früher als im Mittel der vergangenen fünf Jahre. In Baden wurden bereits Mitte August die ersten Trauben für Federweißen und Sektgrundwein geholt, seit dem 18. August läuft dort auch der Sauvignon Blanc. Europaweit ist die Ernte etwa zwei Wochen früher dran als üblich, in der Champagne fiel der Startschuss nach Branchenangaben so früh wie seit rund 200 Jahren nicht mehr. Ursache ist der warme, extrem trockene Sommer.

Gewitter, Hagel und Sturm bis Freitag

Ab Mittwoch greifen von Südwesten kräftige Gewitter auf den Süden und Westen über, örtlich fallen dabei 25 bis 40 Liter pro Quadratmeter in kurzer Zeit. Am Donnerstag nimmt das Unwetterpotenzial weiter zu, punktuell sind 30 bis 45 Liter möglich. Am Freitag zieht eine Kaltfront durch, dann erwarten wir schwere Gewitter mit heftigem Starkregen, größerem Hagel und schweren Sturm- bis Orkanböen. Zum Wochenende strömt deutlich kühlere und trockenere Luft heran, die Höchstwerte gehen spürbar zurück.

Warum das für den Jahrgang riskant ist

Hochreife Trauben sind empfindlich. Nach Wochen der Trockenheit kann plötzlicher Starkregen die dünnhäutigen Beeren aufplatzen lassen, feuchtwarme Luft begünstigt danach Fäulnis und die Kirschessigfliege. Hagel trifft die Reben noch härter: Im Juli verlor ein Betrieb in Schweighofen an der Südlichen Weinstraße rund 60 Prozent seiner Fläche, in Schweigen-Rechtenbach war ein Großteil der Ernte dahin. Rheinland-Pfalz hat den Zuschuss für Mehrgefahrenversicherungen deshalb auf 50 Prozent der Prämie und maximal 250 Euro je Hektar erhöht, Anträge sind bis 30. September möglich.

Dominik Jung
Über den Autor

Dominik Jung

Diplom-Meteorologe

Als Diplom-Meteorologe stehe ich seit 2002 für das Wetter-TV von wetter.net vor der Kamera. Täglich ordne ich die aktuelle Wetterlage ein, bewerte die Langfristmodelle und erkläre, was hinter Extremwetterlagen wirklich steckt. Über 16 Millionen Mal wurden meine Prognosevideos bisher abgerufen.

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